Die schwimmenden Schweine der Bahamas

Die schwimmenden Schweine der Bahamas –
meine Erfahrung als Veganerin.

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Seit drei Jahren hängt in der Garderobe meiner Backstube ein Foto von drei Schweinen, die im Meer plantschen.
Schon öfter bin ich im Internet zufällig auf solche Fotos gestoßen. Das passiert wohl früher oder später jeder Schweinchen-Liebhaberin. Total entzückt musste ich unbedingt recherchieren, was es damit auf sich hat.
Schnell habe ich die Antwort gefunden: Da gibt es also eine Insel auf den Bahamas, auf der Schweine leben, weil sie vor Jahrzehnten dort von Piraten ausgesetzt wurden. Da sie ein Touristenmagnet sind, lässt man sie dort auch frei leben, sonnen und schwimmen.
Wie wundervoll! Glückliche Schweine! In einer Zeit wie dieser wird einem da ganz warm um’s Herz!

Weit entfernt von der finanziellen und zeitlichen Möglichkeit, einen Trip auf die Bahamas zu machen, war mir dieses Schweinefoto Motivation seit Tag Eins in meiner Bakery.

Als der nächste Florida Trip zu meiner Schwester geplant war (sie lebt dort seit einigen Jahren), dachte ich: Jetzt oder nie! Die Bahamas liegen ja sozusagen auf dem Weg. Und somit habe ich gemeinsam mit meinem Freund zwei Nächte dort eingeplant.

Wo diese Schweine Insel genau liegt und wie man sie erreicht, ist gar nicht so leicht heraus zu finden. Man findet viele Berichte, aber relativ wenig genauere Angaben.
Nach Durchforsten sämtlicher Blogs und Reiseforen bin ich endlich auf die Richtige unter den hunderten Inseln, aus denen die Bahamas bestehen, gestoßen – und auch auf eine Company, die Bootstouren anbietet – u.a. mit einem Stopp bei den „famous swimming pigs“.

Bis zur letzten Sekunde konnte ich es nicht glauben, dass ich wirklich gleich süße, frei lebende Schweine sehen werde, die mir grüßend entgegen schwimmen.
Und dann war es soweit: Unser Boot stoppte bei einer großen Insel. Ziemlich verwachsen, relativ wenig freie Sandfläche, kein Schwein in Sichtweite. Dann rief der Tourguide: „Piggies, piggies, come here!“ Und schon lies sich das Erste blicken. Ich konnte es trotz aller Fotos und Videos die ich gesehen habe, nicht fassen: Da steht tatsächlich ein rosa Schwein auf dieser Insel. Vor ihm türkis glänzendes Meer!

Plötzlich packten die Tourguides einen Kübel aus, in dem ausschließlich Würstel waren („Chicken sausages are their favourite food, you know.“) Mir wurde schlecht. Ich weiß, dass Schweine Allesfresser sind, sich aber großteils pflanzlich ernähren. Und dann bekommen sie verarbeitetes Abfallfleisch in Form von Wurst, bei der ich hoffte, dass es sich zumindest wirklich um Huhn handelte.
Die ersten Touristen gingen vom Boot ins Wasser, als sie merkten, dass das Futter und die Lockrufe mehr Schweinchen anlockten. Ein weiteres Schwein hinkte zu uns – es hatte anscheinend ein verletztes Bein. Dann drehte ein Guide am Boot laut Musik auf.

Da war ich nun: Ich stand auf einem Boot, beobachtete, wie Touristen im Bikini gierige Schweine mit Würstel fütterten, während laute Rapmusik im Hintergrund lief und die Guides es sich daweil mit Bacon Sandwiches auf dem Boot gemütlich machten.

Die ganze Situation hat sich einfach nur falsch angefühlt für mich. Eigentlich wollte ich nur am Boot bleiben und abwarten, bis wir weiterfuhren.

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Ich weiß, was ihr jetzt denkt. Was hat die denn erwartet? Dass das hier alles moralisch einwandfrei und tierfreundlich abläuft und jeder, der mit diesen zuckersüßen Schweinen in Berührung kommt, aufeinmal Vegetarier wird??
Mein Freund und ich sind hingefahren mit dem Wissen, dass es hier um Geld geht, aber mit dem Hoffen, dass es den Tieren zumindest deswegen gut geht. Sie leben ja in Freiheit, habe ich mir eingeredet. Ja, ich gebe zu, ich habe mir das alles wirklich einbisschen schön geredet, weil ich von den ganzen Fotos im Internet verzaubert war.

Jedenfalls sagte ich dann zu mir: Du hast hier hunderte von Euros investiert. Gehst du bitte zumindest in dieses wunderschöne Wasser?
Das hab ich dann auch gemacht. Anfangs habe ich gleich mal einen Touristen gebeten, das Schwein in Ruhe zu lassen, dem er nachgerannt ist, um es hoch zu heben (Melli = bahamas‘ pig police!). Dann wollte ich mir die Insel genauer anschauen. Sie war verwachsen mit ziemlich rauhen Sträuchern. Nicht wie erwartet, ein paar Palmen hier und da. Aber vielleicht bietet das Gebüsch zumindest viel Sonnenschutz. Zwischen den Sträuchern wuselten vier winzige, rosa Ferkel herum. Ich kraulte eines, dann lief es weg.

Dann ging ich wieder zurück auf’s Boot.
Ich konnte diese bizarre Situation nicht ganz erfassen. Auf der einen Seite war ich entzückt und dachte nur: Oh mein Gott, Schweinchen! Frei herumlaufende, zutrauliche Schweinchen. Und sie schwimmen im Wasser herum. Wie süüüß ist das!
Auf der anderen Seite hatte ich einfach nur ein schlechtes Gefühl. Ich habe mich schuldig gefühlt.
Mein Freund hat ein paar Fotos von den putzigen Tieren gemacht, aber auf’s Posieren mit ihnen hatte ich so gar keine Lust.

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Nach ca. 30 Minuten wurde die Bootstour fortgesetzt auf vier weitere wunderschöne Bahama Inseln, um dort schwimmen und die Aussicht genießen zu können. (Auf einer Insel gab es ganz viele chillende Iguanas, denen wir Salat und Melonen gebracht haben.)

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Abends im Hotel unterhielten wir uns mit einem Gast, die ebenfalls eine Tour zu den Swimming Pigs gemacht hat. Dabei habe ich herausgefunden, dass es nicht DIE EINE bekannte Insel mit schwimmenden Schweinen gibt, sondern insgesamt mindestens drei. Man hat also erkannt, wie gewinnbringend diese lebenden Attraktionen sind und setzt deswegen anscheinend auf ein paar Inseln eine Hand voll Schweine fur die gutgläubigen Touristen.

Mein Fazit für dieses Abenteuer: So lange Touristen diese Tour mit ihrer Nachfrage unterstützen, so lange wird es diese Inseln auch weiter geben. Und ich denke, die Nachfrage ist riesig (wenn du Bahamas bei der Bildersuche googelst, musst du nicht lange auf ein Foto von einem Schwein im Wasser warten). Meine kleine Hoffnung ist einfach, dass diese Tiere zumindest ärztlich untersucht und mit genügend Trinkwasser versorgt werden. Sie sollen ja weiter leben und fit aussehen. Da die Tiere hier trotzdem eine Attraktion sind und somit genutzt und benutzt werden, ist es dennoch ethisch nicht vertretbar und somit auch kein Reisetipp.

Was ich nun tun kann, ist aufzuklären und von meinen Erlebnissen zu berichten.
Die Bahamas sind mit ihren Traumstränden wirklich eine Reise wert. Richtig glückliche und frei lebende Schweine kann man ja danach auf einem Gnadenhof im Heimatland besuchen.

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Fotos: Melanie Kröpfl, Patrick Weichmann

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